Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Wie wird aus 4 DJs ein Konzert?

Endlich wieder alle da, mit den guten Erfahrungen der Konzentration im Rücken, aber einem recht großen Lerngefälle zwischen den 4 Jung-DJs, war die Grundidee für den dritten Kurs, voneinander zu lernen und herauszufinden, wie wir die Gruppe für das nächsten Monat anstehende Konzert organisieren. Wer kann was am besten, wie treten wir gemeinsam auf.

Es war klar, Enno wird VJ und das Ganze als einziger visuell untermalen, was bedeutete, er bekommt quasi einen Sonderunterricht im Kurs. Die Öffnung dieser Organisationsfrage führte allerdings zu noch mehr Wünschen. Jordan wollte auf dem Konzert auch tanzen, Enno und Milljonair auch rappen. Wie genau wir das in den wenigen Stunden, obwohl wir noch so viele Schritte bis zum wirklichen DJen vor uns haben, organisiert bekommen sollen, ist mir nicht so klar.

Enno bekam, nach einer kurzen Auffrischung der Funktionsweise von Vjay, die Aufgabe mit dem iPad eine Runde durch die Schule zu machen und kleine Video-Clips zu drehen, die sich gut als Basismaterial für VJing einsetzen lassen. Natürlich aber wollte er nicht mit dem iPad los, sondern mit der anderen Kamera, deren großer Vorzug ein Zoom ist. Eins nach dem anderen.

Unterdessen hatten die anderen die Aufgabe, wie in der Stunde zuvor, ihre DJ-Skills zu perfektionieren, Milljonair dabei viel aufzuholen, weshalb er, während King Rider und Jordan schon weitgehend selbständig weiter lernen konnten, zunächst mal viel aufzuholen hatte. Allein die drei konzentriert unter den Kopfhörern zu halten, während Enno noch weiter lernen sollte, die VJ-Software zu meistern und seine innere Abneigung vor iPad Kameras abzulegen, erwies sich als nicht so einfach.

Vor allem weil jetzt die kritische Menge an jungen Musikkritikern da war, die sich über Vor- und Nachteile der einzelnen „eigenen“ Stücke unterhalten mussten, warum wer der Größte ist und letztendlich zeigten, dass sich gegenseitig Musik vorspielen, die sie begeistert, doch irgendwie das Verlockendste ist. Der ablenkende Effekt eigener Musik war dann doch eingetreten.

Nach und nach aber entstand doch der ein oder andere Mix, weitere Testphasen am Controller und Enno kam mit ein paar langweiligen Videos vom Schulhof in Großeinstellungen schnell zurück, um zu verkünden, die Kamera im iPad taugt nix. Wir verschwanden also für eine Runde auf Video-Safari, um ihm genauer auch an Beispielen zu erklären welche Motive sich gut für ein VJ-Set eignen.

Einfache Bilder mit prägnanten Motiven, die sich überschaubar bewegen. Motive mit denen sich etwas anfangen lässt, die Material sein können. Und vor allem kurze Elemente die quasi die Wörter sind, mit denen man hinterher eine Geschichte erzählen kann. Als junger Videoenthusiast hat er das schnell verstanden, war aber immer noch nicht davon zu überzeugen, mit dem minderwertigen iPad als Kamera loszuziehen. Ich gab nach. Ich verstehe – obwohl mehr Import-Export-Umstand, wenn man mit den Kamera-Videos etwas auf dem iPad anstellen will – die Vorliebe für Zooms selber nur zu gut.

Der Rest der Klasse war inzwischen wieder ganz und gar in der Frage nach dem Konzert und den persönlichen Musikvorlieben aufgegangen, die halbwegs bruchlos von Miley Cyrus über Wiz Khalifa bis Snoop Dogg laufen und gerne mit einer Prise „Beats“ versetzt werden, weil meine mitgebrachte Box, Ultimate Ears, ähnlich wie die Beats Pill, aussieht, die offensichtlich unter 11-Jährigen als der Heilsbringer unter den Bluetooth-Speakern angesehen wird. Erschreckend erfolgreiches Marketing.

Rappen, oder doch nicht, Tanzen, aber wer macht mit, DJs mit unterschiedlichen Qualitäten und Lernstufen und zu allem Überfluss rauschten gelegentlich auch noch die Mädchen vom Kurs oben rein und wollten was zum Tanzen hören. Der Kurs drohte in Richtung Instant-Blockparty abzugleiten (Snacks, YumYum).

Wir bogen das dennoch langsam wieder Richtung DJ-Kurs und entdeckten nach und nach die Qualitäten und Vorlieben der einzelnen. King Rider wird der Star-DJ am iPad, er hat sich mittlerweile sehr gut eingetüftelt und bekommt die Übergänge und den Flow am besten hin. Milljonair ist die Hoffnung am Controller. Jordan doch eher an Beats und Scratches interessiert und darin am besten, was ihn am ehesten in die Richtung eines klassischen Musikers rückt, Enno kam mit einem Satz durchaus brauchbarer Video-Schnitte zurück, die wir schnell auf Maß zugeschnitten haben und ins iPad importiert.

Und schon war die Stunde, viel zu früh, zu Ende, die Aufgabe für das nächste mal war einen Text zum Rappen mitzubringen und mit Jordan die Konzentration beim nächsten Mal auf Loops, Vocals und Sounds zu legen. Merke: sammle Accapellas.

Übrigens. Die HipHop-Legenden, die ich für diese Stunde mitgebracht hatte, wurden eher stiefmütterlich durchgeskippt.

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