Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Weniger ist mehr! In deep concentration.

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Bewaffnet mit einer Auswahl an HipHop von ultrapoppig bis vollschmuddelig und der Idee, in der zweiten Stunde auf der Basis des grundlegend verstandenen Umgangs mit der Software, alle in Einzelrunden unter Kopfhörer ihre ersten Mixe aufnehmen zu lassen, dann gemeinsam zu hören, was dabei rausgekommen ist und Tipps zu geben, wie man es wo besser machen könnte, traf ich im Unterricht nur auf zwei DJs. King Rider und Jordan. Die beiden anderen waren krank.

Ok, noch konzentrierter arbeiten. Die Stunde sollte das Gegenteil der letzten werden. Ruhig, immer nah am Thema. Ein großes Problem, bei der Vermittlung von DJing im Gegensatz zu anderen Formen des Musikmachens, ist, DJ ist weitestgehend eine Einzeldisziplin. Musik ist für Kinder diesen Alters aber weit eher eine Gemeinschaftsbeschäftigung. Man hört sie zusammen, macht dazu Quatsch, unterhält sich über das was man im Video sieht, oder glaubt zu sehen, singt mit, tanzt dazu, etc.

Die etwas nerdige Beschäftigung des DJs mit seinen Tracks, das für sich mixen, bevor man sich auf die Bühne stellt und den Star abgibt, das viele Zuhören, Mithören bei dem was man selber tut, wirkt aufgrund der dennoch als Gruppendynamik empfundenen Videos von DJs, die man so kennt, dafür eher kontraproduktiv.

Die Aufgabe für diese Stunde war denkbar einfach. Jeweils zwei Stücke aus dem Pool der eigenen Lieblingsstücke aussuchen, sich damit vertraut machen, wie sie zusammen wirken, tiefer in die Möglichkeiten der Software (Traktor DJ) einsteigen und dann einen Mix aufnehmen. Den Controller zu nutzen hatte ich erst mal hinten angestellt. King Rider und Jordan waren sichtlich konzentriert und natürlich auch froh mit Stücken umzugehen, die sie kannten.

Meine Befürchtung, dass sie, wenn Musik auftaucht, die sie selbst besonders gut kennen, die Ablenkung zu groß sein könnte, damit etwas anderes zu machen, als sie nur anzuhören und sich darüber zu freuen, war glücklicherweise nur eine Befürchtung. Später sollte sich herausstellen, dass es vielleicht nur dem „glücklichen“ Umstand geschuldet war, dass wir wirklich nur zu zweit waren.

Wir haben uns Stück für Stück in die Funktionsweisen der Loops eingearbeitet, die Effekte genauer in ihrer Funktion und dem jeweiligen Sound erarbeitet, den sie erzeugen, erforscht, Details entdeckt, die einen Mix eher „daneben“ klingen lassen und erste Begegnungen mit der Wellenform als Instrument (für Scratchen, kleine Breaks, einzelne Sounds) gemacht.

Nach kurzen Runden unter dem Kopfhörer, jeweils mit Erklärungen wenn irgendwer mit einer Funktion nicht so ganz zurecht zu kommen schien und jeweils einer Aufnahme eines Mixes, haben wir uns dann zusammen die Mixe angehört und gemeinsam überlegt (lautstark) was gut war, was funktionieren könnte, wo die Fehler lagen.

Nach ein paar Runden ging es dann an den Controller, um zu versuchen die Übungen an einem anderen Interface nachzuvollziehen. Dabei stellte sich raus, dass genau das alles andere als intuitiv ist. Während beide recht gut wussten, wo welche Icons auf dem Display welchen Effekt erzeugen, war der Übergang zum etwas überwältigenden Interface des Controllers, den Knöpfen als Ersatz für den Touchscreen immer noch gleich schwer. Die vielbeschworene Haptik eines Controllers, wird auch nach zwei Einheiten Unterricht immer noch überstrahlt von der etwas unüberschaubaren Menge an Elementen und das Jogwheel ist nach wie vor zu verlockend.

Nach ein paar Versuchen (ich hatte den Controller, der in der ersten Stunde mit Blick aus dem Fenster aufgestellt war, umgedreht in den Klassenraum, so dass wir zu zweit jeweils dem DJ-Set zuhören konnten) war klar, eigentlich bevorzugen beide das Interface auf dem Tablet und kehrten auch trotz der Griffigkeit der Knöpfe während dem Set immer wieder zum Tablet zurück. Man kann beim Anschluss von Traktor DJ an den Controller beide Oberflächen (mit leichten Einschränkungen) nutzen.

Nach der willkommenen Intensivstunde hatten King Rider und Jordan jedenfalls beide eine gewisse Sicherheit in den Funktionen der Software erreicht und waren zu dem Punkt durchgedrungen, dass sie vor allem die Effekte und Level in Traktor DJ mit einer gewissen Intuition einsetzen konnten, die, statt wie zuerst oft auf den Effekt konzentriert zu sein, den das erzeugt, sich viel stärker auf den musikalischen Flow konzentrierte. Sie hatten beide entdeckt, dass man intuitiv vorausarbeitet, wichtig ist, was nach dem eigenen Eingriff in die Musik kommt, wie es weiter geht und dann klingt.

Btw. da ich die Kids-HipHop-Hits schon jetzt nicht mehr hören konnte, nahm ich für mich mir als Sonderaufgabe mit, legendäre Oldschool-HipHop Hits einzuschmuggeln.

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