Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Loopseque – Wo ist vorne..?

Wie lässt sich den Schülern einer 2. Klasse der Aufbau eines Loops verständlich machen? Diese Frage sollte unter anderem die App Loopseque klären, die den Kindern auch einen leicht verständlichen Einblick darin geben sollte, wie sich eine musikalische Struktur immer wiederkehrender Elemente in Pattern zusammensetzt.

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Loops sind rund – sie fangen immer wieder von vorn an. Theoretisch eine runde Sache, bei der man jedoch in der Praxis schnell aus der Kurve fliegen kann:

Immer wieder von vorn anfangen..? Wo ist vorne..?

Der Aufbau der App ist in den Grundzügen sehr leicht verständlich: 4 Kreise mit je 4 Sounds in 4 Farben ergeben die Grundelemente, zusammengesetzt auf einer Art Schieber zu verschiedensten Konstellationen von Pattern und deren Variationen. Damit hatten die Kinder aller Klassen auch weitestgehend kein Problem und somit die Struktur nach nur kurzer Erklärung intuitiv verstanden. Das Loopseque eine geeignete App für Kinder ist, wenn man Musik produzieren will, möchte ich an dieser Stelle in Frage stellen, denn die kreisförmige Loop-Struktur ebenso wie die leuchtenden Farben regen die Schüler zum Ausmalen an..

Grafische Oberflächen, gerade auch welche die in ihrer „Schönheit“ irgendwie besonders faszinieren, sind nicht selten ein Garant für Ablenkung von Musik. Vor allem kleinere Kinder, aber auch eher visuell orientierte ältere in der Grundschule beschäftigten sich nicht selten damit Loopseque primär als Malinstrument zu sehen, denn als Klangerzeuger. Die visuelle Präsenz bei Loopseque ist so stark, dass Töne und Geräusche, musikalische Strukturen und Zusammenhänge von den Kindern dahinter verblassen. Das Ergebnis waren nicht selten eher abstrakte Klangergebnisse, die im besten Fall an mantra-ähnliche Klänge von elektronischem Krautrock erinnern.

Darüber hinaus verblassen hinter den kaleidoskopartigen Bildern auch die Möglichkeiten Loopseque zum Aufbau einer Track-Struktur zu nutzen, die eigentlich doch jedes Kind verstanden hatte. Und die Funktionen der Klangbearbeitung, die man nur über ein Menü erreicht, das die Muster völlig ausblendet, wurde nahezu nie benutzt. Die von Figure erlernte Stummschaltung einzelner Pattern war noch das einzige, was sich an den Möglichkeiten der App bei den Kindern gelegentlich durchsetzen konnte.

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.. und nun?

Nur mit viel Geduld kommunizieren lässt sich, dass weniger oft mehr ist. Das Musik den Vorrang vor den Bildern hat, erfordert Kurskorrektur von der vom Programm vorgegebenen und unterbewusst sehr beeinflussenden Oberfläche..

Ein Experiment aus dem man allerdings lernen kann und in der Vorbereitung auf andere graphisch intensive und „verführerische“ Apps, die zum Vorrang von Mustern über die Musik anregen könnten, klare Anweisungen gibt.. denn, ja, im Prinzip – wenn man genau zuhört – ist doch klar, dass musikalische Strukturen ebenfalls aus Klangmustern bestehen, die man nur verstehen muss:

Es gilt sich bei z.B. dem Einsatz der App Yellofier im Vorfeld damit auseinander zu setzen, wie man den Kindern die Zusammenhänge von visuellen Mustern und Klang so nahebringt, dass ihr Zusammenspiel, ihre Logik so präsent ist, das eins das andere nicht verdrängt.

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