Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Live vs. Programmieren und der erste Schritt auf die Bühne

Eine wichtige Lernerfahrung, die wir Kindern immer auch in den ersten Stunden ermöglichen wollen, ist der Unterschied und produktive Einsatz von Programmieren von Musik und dem Live-Einsatz.

Viele der Apps die wir in den ersten Stunden für den Einstieg nutzen, basieren auf Sequenzern. Sie ermöglichen einem, meist kürzere Passagen eingespielter Musik aufzunehmen und mit weiteren Passagen anderer Sounds und Instrumente zu überlagern. Das Endergebnis sind oft einfache Loops aus 4 bis 8 Takten, die sich immer wiederholen. Das ist einprägsam, klingt häufig erstaunlich gut und bildet eine perfekte Grundlage für den Umgang mit Prozessen wie Aufnahme, Arrangement, Sequenzen, etc.

Was es nicht ist: ein Song. Ein Musikstück mit einem Anfang, Mittelteil, Ende, Variation, Aufbau.

Um den Kindern diese Differenz zu vermitteln gehen wir oft den Weg, sie ihre „Songs“ dem Publikum, allen anderen Kindern der Gruppe, laut vorspielen zu lassen. Das Hören im Raum ist zum einen eine weitere wichtige Erfahrung im Umgang mit Technik (mehr dazu hier), zum anderen aber auch eine Motivation sich in die Rolle des Aufführenden zu versetzen und dabei noch andere wichtige Funktionen der Apps kennenzulernen.

Apps die wir gewöhnlich für diese Art erster Aufführungen einsetzen wie Figure oder Gadget, verfügen über verschiedene Qualitäten als Instrument zwischen Sequencer und Liveeinsatz. Immer aber über ein Mischpult und dessen Basisfunktionen, Lautstärke einzelner Passagen individuell regeln und Instrumente stumm schalten zu können.

Mit diesen wenigen Funktionen lässt sich aus ein paar Sequenzen zumindest schon der erste Ansatz eines musikalischen Aufbaus arrangieren. Die Kinder lernen so nicht nur in ersten Grundzügen den Umgang mit einem Mischpult, sondern auch den kreativen Einsatz eines Mischpultes zum Arrangement eines Stückes aus verschiedenen Einzelteilen und bekommen eine Idee von den Grundzügen eines Songs oder Tracks.

Natürlich sind die ersten Schritte oft von vielen Momenten der Unsicherheit begleitet. Zum einen ist da die Situation anderen die eigene Musik zu präsentieren, quasi auf der Bühne zu stehen, zum anderen die technisch ungewohnte Herangehensweise des Mixens und natürlich auch die rhythmische und strukturelle Unerfahrenheit, die sie oft Mute-Buttons drücken lässt, wenn es nicht so ganz passt.

Die Lernerfahrung ist aber groß und entwickelt sich über die Zeit, die sie mit uns weiter verbringen Stück für Stück, so dass ihr Interesse für einen Aufbau von Musikstücken geweckt ist, für die Erzählweisen die die verschiedenen Passagen hervorbringen können und natürlich auch für eine erstes Selbstvertrauen, dass man sich mit der eigenen Musik auf die Bühne wagen kann.

Um Letzeres noch zu verstärken beende ich diese ersten „Aufführungen“ immer mit überschwänglichem Applaus in den die Kinder oft gerne mit einstimmen. Gelegentlich nutzen wir diese Momente auch, um anderen Kindern noch die Möglichkeit zu geben, etwas zusätzlich zu dem gerade aufgeführten „Song“ zu spielen, was ihnen einen ersten Schritt zu einer Erfahrung des Zusammenspielens geben kann und durch die Möglichkeit vieler Apps erleichtert wird, nur die „Tasten“ einer Tonart auf dem Screen abzubilden.

Eine nicht unwichtige, oft erst im Verborgenen wirkende Erfahrung die die Kinder so auch machen, ist die Fähigkeit eigentlich für statische Sequenzen vorgesehene Apps auch als Liveinstrument zu sehen und zu testen wie man selbst einfache Sequenzen mit minimalen eingriffen so erweitern und lebendig machen kann, dass am Ende schon ein wirklich beachtliches Stück Musik steht.

Der nächste Schritt ist dann das gemeinsame Spielen mit den bisher erlernten Tools.

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