Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Introducing: Team 46

Das Wichtigeste zuerst: Die ersten Songs von Team 46!

Aber wie sind sie entstanden? Wenn man schon mehre Kurse mit Kindern gemacht hat, weiß man, ein guter Einstieg in die erste Runde ist Figure. No Brainer. So einfach das Program ist, so sehr lässt es sich immer wieder neu erfinden.

Es ist eine perfekte Einstiegs-App, weil die Kids schnell einen „Song“ (eigentlich ein Loop) zusammenbekommen, der sich gut anhört, fett, unwahrscheinlich gut fast und vor allem: Figure gibt einem das Gefühl: Ich kann das! Und wie! Eine App wie eine Katze, die einen selbst dann noch wohlig anschnurrt, wenn man sie durch die Ecken jagt.

Nach kurzer Erklärungsrunde der Grundfunktionen verstehen das alle intuitiv. Vor allem wenn sie so fit sind wie Team 46. Selbst die umständliche Art, wie Figure Stücke speichert und überschreiben kann (ich hab schon Menschen in Büros an ähnlichen Aufgaben immer wieder verzweifeln sehen), haben Ibo, Alex Blaze, Blot, Shawn Frost, Patty und Kimi (so heißen die Künstler des Teams) im Handumdrehen drauf. Achte darauf: gib den Songs immer deinen Künstlernamen und einen Tracknamen. Kein Problem.

Die Loops werden mit Begeisterung gemacht. Die Kopfhörer rumgereicht, um sich gegenseitig die neusten Kreationen vorzuspielen und nicht selten kichern die Kids sich unter den Tisch über ihre Songs oder den Wahnsinn, den die anderen da verzapft haben. Ohne Mitwippen geht’s eh nicht. Und läuft mal Musik laut, dauert es nicht lange, bis irgendwer lostanzt. („Darf ich den Song auch auf der nächsten Party spielen?“).

Die Sogwirkung der App führt die Kinder ganz von allein zu den verschiedensten anderen Funktionen, die ich in der Einstiegserklärung vorsorglich zur Langeweilevermeidung ausgelassen habe. Reihum wird das Wissen vertieft, wenn man es braucht und die Anfänge schon längst sitzen. Ein Kind kam zu spät. kein Problem unter Frühstartern gab es schon die Erste, die ihr alle Funktionen bis ins Detail nacherklären konnte.

Es ist noch keine halbe Stunde vergangen und wir haben über 20 Loops zusammen. Die Grundidee dieses Jahr ist ja: Stadt im Remix. Zuerst selber Stücke machen macht dennoch Sinn, denn was soll man auch sonst remixen? Es mag merkwürdig anmuten, eine Remix-Saison, in der Kinder auf die Sounds der anderen und auf die musikalischen Eigenheiten und Charaktere darin eingehen sollen, mit einer App anzufangen, die so in sich geschlossen wirkt. Man kann keine Sounds aufnehmen oder reinladen und auch nicht wirklich etwas umarrangieren, da die Notation aus blinkenden weißen Pünktchen besteht, die über die Farbfelder hüpfen. Aber für all das haben später noch viel Zeit.

Eigentlich ist Figure ein Looprecorder mit einer höchst intuitiv-unvertippbaren Pseudo-Klaviatur mit dem man drei Spuren aufnehmen kann: Drums, Bass, Melodie. Bis zu 8 Takte. Bei Kindern kann selbst das locker in Chaos ausarten. Wir nennen das mal: Das wilde Wischfinger-Syndrom. Auch ein Grund, nicht alle Funktionen sofort zu verraten. Die veränderbare Quantisierung hilft, aber clevere Kids finden dennoch schnell raus, wie man die umgehen kann, wenn man will und sogar wie sich Triolen auf den Trommeln trällern lassen.

Doch zum Remix, denn natürlich geht auch das mit Figure. Zumindest zum Einstieg.

Die Remix-Aufgabe heute war ein wenig wie „Stille Post“, nur viel lauter: Jedes Kind reicht sein Tablet im Kreis weiter, aus den Loops ihres Vorgängers suchen sich die Kinder jeweils das Stück heraus, das ihnen am besten gefällt und hören sich die 3 Spuren dann genauer einzeln an. Zwei davon müssen dann gelöscht und auf dem Gerüst von nur Bass, nur Drums oder nur Melodie ein Remix erstellt werden.

Vor der Stunde, hatte niemand auch nur eine Idee, was ein Remix eigentlich sein soll. Jetzt rissen sich die Kids drum, wer wen remixen darf. Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass jetzt alle schon dem Besonderen an den jeweils vom Gegenüber produzierten Sounds und Melodien lauschen und versuchen, da noch mehr herauszuholen, aber ihnen ist klar geworden: Musik kann man teilen, weiterverarbeiten und -entwickeln, umformen, zu etwas ganz neuem Remixen.

Auch wenn man so im Strudel dieser Überfülle neuer Eindrücke und Sounds weggespült werden kann, finden sich hier immer wieder Momente von: ah, das waren deine Drums, das ist jetzt etwas Neues geworden.

Stadt im Remix ist ein ständiger Wechsel von Produzieren und Zuhören. Aufmerksamkeit für die Klänge der Anderen und des Anderen, aber auch entdecken, wie leicht Musik entstehen kann, wenn man sich mitreißen lässt und wie leicht sie wieder mitgerissen werden kann.

Die nächste halbe Stunde verging wie im Flug und unsere jungen Starproduzenten hatten schnell ein paar ansehnliche Remixe zusammen, die sich dann immer gleich beide, Remixer und Geremixter anhören mussten. Etwas weniger Tempo, mehr Gemeinsamkeit.

Aber natürlich wollten wir es nicht dabei lassen, ständig unter Kopfhörern immer nur mehr Musik und Bausteine für Musik zu produzieren, sondern da müssen auch richtige Stücke draus werden, Präsentationen, Auftritte, was für das Internet. („Kann mann da dann auch den Daumen hoch machen?“). Also auf zum dritten Teil der ersten Stunde: Wir machen unsere Tracks.

Die absichtlich verschwiegenen Funktionen der Klangmodulation, des Mutens von Spuren, der Idee einen Loop laufen zu lassen und darüber noch weiter zu improvisieren hatten ein paar zwar schon entdeckt, aber nach der letzten Erklärungsrunde dann auch fast verstanden, warum man das so einsetzen würde. Jeder sollte sich sein Lieblingsstück von allen, die sie bisher gemacht hatten, suchen und kurz überlegen, wie man mit diesen Mitteln daraus jetzt einen Song improvisiert.

Noch eine neue Erfahrung. Selbstgemachte Musik nicht als spielerisches Moment, sondern als Entwicklung zu verstehen, in der mehrere Elemente nacheinander zum Einsatz kommen. Ein Arrangement, ein Song entsteht und alle hören zu und bauen die gehörten und gesehenen Erfahrungen nach und nach als Praxis in ihre eigenen Songs ein. Wissen ist auch eine Form von Remix.

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