Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Erste Klänge in der tRaumstation

In unserer ersten Stunde sind wir zu viert: Deepa, Hanni, Stan und ich, Mikado (Kristine Schütt). Wo kommt der Groove eigentlich her und was war der erste Rhythmus, das ist heute unsere Einstiegsfrage. Sie überlegen, haben aber keine Idee. Der Hinweis, am eigenen Leib zu suchen, bringt Stan auf eine Idee: die Stimme! Gut, und noch vor der Stimme? Was ist immer bei uns und begleitet uns mit seinem Groove? Unser Herz! Wir lauschen in der Stille, ob wir unseren Herzschlag hören können. Dann verstärken wir den Herzschlag mit einem Grenzflächenmikrophon über die Tonanlage und hören ihn aus den Lautsprechern, das ist sehr faszinierend. Wie ging es dann weiter mit dem Rhythmus, als es noch keinen Strom gab und keine Instrumente? Stan weiß: Hände! Ja, und Füße! Also probieren wir im Kreis, wir heben ein Knie und stampfen den Fuß, immer abwechselnd – Knie-Fuß – Knie-Fuß. Der Fuß macht Downbeat, das Knie den Off-Beat. Wir grooven uns ein und klatschen mit den Händen dazu, auf Knie und Fuß, also doppelt so schnell. Das ist anfangs verwirrend, aber nach einigen Takten finden sich doch alle wieder zusammen. Unsere ersten Instrumente sind also Füße und Hände und die Stimme… und dann? Deepa möchte wissen, was im Zauberkorb ist. Wir schauen hinein, finden und probieren: Klangfrösche aus Holz, Klanghölzer aus Holz, Ziegenklauen zum Rasseln (Afrika), Castagnetten (Spanien), den Regenstab (Chile) und eine Kürbisrassel (Maracas, Peru). Alle diese Percussioninstrumente sind aus Naturmaterialien angefertigt, viele aus Holz. Die Kinder probieren auch die Pappelklanghölzer (Eigenbau) und die Trommeln: Conga (Cuba), Djembe (Afrika), Tabla (Indien), das Schlagzeug (Europa/USA). Stan mag die Conga, Hanni die Becken und die Pappelhölzer und Deepa das Schlagzeug. Stan fragt, aus welchem Land in Afrika die Djembé kommt, das werden wir also noch herausfinden.

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Wir kommen nochmal darauf zurück, was der Rhythmus eigentlich ist: unterteilte Zeit. Die Geschwindigkeit kann mit einem Metronom bestimmt werden. Wir hören auf das mechanische Metronom und spielen mit der eingestellten Zahl, die die Schläge pro Minute (bpm) angibt. Hier bedeutet jeder Schlag ein Viertel, doppelt so schnell sind die Achtel, nochmal doppelt so schnell die Sechzehntel. Wie bei einem Kuchen, der immer weiter unterteilt wird. Je kleiner das Stück, desto mehr schnellere Schläge sind dann im Takt spielbar. Das probieren wir aus: Deepa spielt die Viertel mit Bassdrum und Snare, Stan die Achtel auf der Conga, Hanni die Sechzehntel an den Pappelhölzern. Das ist gar nicht so einfach – aber sie hören, vergleichen, kommen immer wieder aufs Metrum und halten ganz schön lange durch. Uff, nach der Anstrengung schauen wir auch noch die anderen Percussioninstrumente an und probieren ein bisschen: Holzblocktrommeln einfach und als Guiro (Puerto Rico), verschiedene Triangeln, Maracas Rasseln (Südamerika), eine Rasseltrommel (Denden Daiko, Japan/Tibet) und Shaker.

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Wir finden heraus, dass sich mit der Denden Daiko ganz gut schnelle Noten wie Zweiunddreißigstel spielen lassen und dass die Triangel sehr lange schwingt und klingt. Aber die Metallinstrumente kommen erst in der nächsten Woche dran und die Zeit ist so schnell vergangen, dass wir ein Ende finden müssen. Also fahren wir mit der ‚Lokomotive‘ ins Wochenende: Alle zusammen beginnen auf ihrem Lieblingsinstrument zunächst mit ganz langsamen Schlägen, die Lok fährt los…und wird schneller und schneller und schließlich ganz schnell, bis alles in einem großen Wirbel endet.

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