Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Chaos mit Stil – auf Entdeckungsreise

In Vorbereitung auf unser gemeinsames Konzert im November, musizieren Team 27/28 gemeinsam, denn das Rhythmus-Team 27 wird uns bei der Aufführung rhythmisch mit Touch-Drums und Percussion begleiten..

Mit kleinen Rhythmusübungen zum Song von Cro „Ein Teil“, lockern wir uns zunächst entspannt und lassen die Stunde einklingen. Hanni, unsere Taktgeberin, möchte Schlagzeug spielen und übernimmt spontan die Drums auf dem virtuellen Tablet-Schlagzeug (DrumStudio). Abgesehen von unerwartet auftretenden Latenzen der App selber, meistert sie die rhythmische Basis ganz prima. Stan und Nanni begleiten Hanni mit Conga und Shakern. Jax wirkt ein wenig müde an der Gitarre, so dass ich den Eindruck habe, er kann sich heute nicht mehr so wirklich konzentrieren. Anders als in der letzten Stunde, spielt Jax vermutlich deswegen immer genau am Takt vorbei anstatt ihn zu treffen. Ganz anders Psy, unser kleiner Appmusik-Profi. Er wird immer besser und egal, ob er auch müde zu sein scheint – er fängt die anderen Bandmitglieder auf und spielt ganz prima rhythmisch, ab und zu mit kleinen beabsichtigten Ausrutschern, die dem Ganzen aber ein besonderes Feeling verleihen. Lenny, unser Star-Sänger, schlägt sich derzeit noch sichtlich angestrengt durch den Text. Wir üben individuell, singen ansatzweise auch schon ganz gut im Takt. Wir sind uns sicher: kriegen wir hin..!

Amy ist leider noch immer krank. Unklar ist deshalb, wer jetzt eigentlich nun Bass spielt. Der Bass sollte doch nicht fehlen, oder Jungs und Mädels..? Wir sind uns nicht so sicher und probieren es aus. Jemma fühlt sich nicht so richtig wohl in der Rolle einer Bassistin. Ich schlage ihr flächige Akkorde vor, die sie alternativ auf einer anderen App, bs-16i, spielen könnte und zeige ihr kurz 3 Griffe auf der virtuellen Piano-Tastatur. Ganz angespannt und ein bisschen wie Mr. Spock (Raumschiff Enterprise) bemüht sie sich, ihre kleinen Finger richtig auf die Tasten des Touch-Pads zu positionieren.. Dann schaut sie mich überfordert an und ich grinse: Gar nicht so einfach auf einer Touch-Tastatur Akkorde zu spielen, oder? Sie schüttelt den Kopf und schaut mich erneut stirnrunzelnd, fragend an. Nicht so schlimm, Jemma und weil ich mir das doch längst denken konnte, habe ich dir eine externe Midi-Tastatur mitgebracht. Probier mal aus..! Wie erwartet entspricht diese wiederum aber auch nicht den Wunschvorstellungen von Jemma, denn im Gegensatz zur Tablet-Tastatur hat sie sehr breite Tasten. Es behindert ihren Flow und nicht nur den Flow von Jemma. Solche Momente zerren nicht nur an der Geduld aller Bandmitglieder, sie können auch sehr schnell erste Anzeichen von Frustration und Unmut hervorrufen, so meine Erfahrung. Ich empfehle in diesem Zusammenhang, Pattern zu nutzen.

Ich erkläre Jemma gleich, dass es sich hierbei meinerseits um einen Versuch handelt und ich mich auch stark wundern würde, wenn sie von jetzt auf gleich die vorgegebenen Akkorde auf der Touch-Tastatur spielen kann, denn nicht mal ich kriege das so gut hin, muss ich zugeben. Kurz gesagt: Wir sind hier nicht zusammengekommen, um ganz klassisch jede/r einzeln ein Instrument spielen zu lernen. Das wäre ja auch ein bisschen komisch, wenn ich gleichzeitig jeder ein anderes Instrument beibringen würde, oder? Sie grinst. Ich will herauszufinden, wie am schnellsten ein gemeinsamer Flow beim Musizieren und damit Spaß, Lernerfahrung und -erfolg gleichzeitig entstehen, ohne dass jeder im einzelnen gleich ein Instrument beherrschen muss. Vielleicht kommt ja der eine oder die andere dadurch auf den Geschmack und stellt für sich selbst fest, ein bestimmtes Instrument ist genau sein/ihr Ding:“ Das will ich spielen lernen, später dann meine eigene Band gründen.“ Wer weiß… Die Geduld lässt nach. Verständlich am Freitag Nachmittag. Wir versuchen aber trotzdem noch mal kurz, uns auf ein harmonisches Zusammenspiel zu konzentrieren, okay?

Die letzten 10-15 Minuten sind dann für App-Switch freigegeben. Wie meine Schüler_innen wissen, bedeutet das so viel wie: Jeder bekommt Zeit für sich und kann Apps, die sich auf dem Tablet befinden, ausprobieren. Auf den iPads ist hierfür ein spezieller App-Switch Ordner angelegt, in dem sich so spektakuläre Sound-Landschaften mit visuellem Charakter oder Themen-Apps wie Halloween-Grusel mit Geräuschen oder auch Musikspiele wie „Isle-of-Tune“ zum Antesten oder Weiterentwickeln von Ideen aus der letzten Stunde befinden..

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