Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Beat Brite – erst das Spiel, dann das Vergnügen

Tablets bieten – neben professioneller Musikproduktion – natürlich auch die Möglichkeit, sich dem Thema eigener Musik und vor allem dem Erlernen gewisser Grundlagen spielerisch zu nähern. Ein gutes Beispiel dafür ist die App Beat Brite.

In vier Stimmen (Drums, Bass, Chords, Melodie), die jeweils im Takt vorgespielt werden und anschließend vom jeweiligen Spieler nachgespielt werden müssen, schult nicht nur Takt- und Rhythmusgefühl, sondern auch das Verständnis für Musikfolgen und den gewissen Ehrgeiz, den richtigen Ton zu treffen, da man, je näher man dem vorgespielten Original kommt, mehr Punkte erzielt.

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Die Kinder empfinden diesen spielerischen Einstieg als positive Emotion und der schnelle Erfolg beim einfachen Nachspielen regt sie an, tiefer einzusteigen, weckt Neugierde und setzt auch, aufgrund der nicht überpräsenten Strenge (keine Fehlermeldungen bei falschen Tönen, kein Abbruch des Spiels wenn man etwas daneben geht) den Ton für einen spielerisch intuitiven Umgang mit elektronischer Musik, bei der auch ruhig mal etwas schief gehen darf. Obendrein vermittelt die überschaubare Menge an Pattern, die immer Element für Element, Stimme für Stimme vorgespielt werden, auch den Aufbau eines musikalischen Themas und die Differenzierung verschiedener musikalischer Elemente. Beat Brite ist aber auch, ganz einfach, eine gute Methode, um das allgemeine Klima zu lockern und Berührungsängste (falls überhaupt vorhanden) auch im Zusammenspiel (hier sind sie schon öfter zu beobachten) zu schmälern, dank seines Multi-Player-Modus.

Die Ergebnisse wurden von Spiel zu Spiel besser. Zunächst jeder für sich, anschließend zu zweit – und ja, in spielerischer Konkurrenz Musik nachspielen motiviert und wirkt sich am Ende auch nicht als erlerntes Konkurrenzverhalten in weiteren Stunden aus, da die App mit einer einfachen fortschreitenden Punkteanzeige und einem prozentualen Endergebnis auch nicht wirklich den Gewinn eines Zweierspiels überproportional darstellt. Nicht ein Mal der Gewinner wird – wie sonst in solchen Apps üblich – am Ende formuliert. Gerade die ganz Kleinen hatten natürlich Mühe die Ergebnisse im 1000er Bereich wirklich genau zu differenzieren. Screenshots zur Erklärung der Menüführung kamen hier auch zum Einsatz. Durch die Menu-Funktion in englischer Sprache wurden die Schüler mit gedruckten Screenshots einzelner Schritte zur Erklärung geführt. Trotz Englisch, das nur einem Teil der Schüler geläufig ist, konnte sich dadurch jeder gut zurechtfinden. Zum besseren Verständnis und der Erkennung des eigenen Fortschritts wurden die jeweils erreichten Punkte von den Einzelspielern und Paaren selber auf Papier notiert. Das spielerische Trainieren des Taktgefühls machte allen Spaß und hat bisher die Teilnehmer aller Jahrgänge begeistert.

Als Nebeneffekt wurden die Schüler so unauffällig an die Grundbedienungen eines Tablets wie An- und Ausschalten, Lautstärke regeln, Touchscreen bedienen, Kopfhörer an- und abschließen usw. herangeführt. Obendrein lieferte die Benutzung der App, neben anderen Methoden, wie Fragebogen und kurzen Gesprächen, eine gute Informationsbasis für die Feststellung der möglicherweise vorhandenen musikalischen Begabung und Vorkenntnisse.

Ein bis zwei Schüler aus jeder Gruppe hatten Schwierigkeiten mit dem grundsätzlichen Verständnis der App – trotz wiederholter Darstellung. Diesen Schülern konnte die Bedienung allerdings durch das Zusammenspielen in Konkurrenz verständlich gemacht werden. Und so ergab sich der Nebeneffekt, dass Kinder den Umgang von Musik von Kindern im Fluss lernen.

Nach Beat Brite haben die Schüler vereinzelt auch in den nachfolgenden Stunden gefragt. Ein längerfristiges „Training“ mit den schrittweise komplexer werdenden Melodien könnte durchaus die Fingerfertigkeit, das Gehör für musikalische Strukturen und die eigene rhythmische Genauigkeit der Kinder sehr schnell, auch dank des spielerischen Reizes immer besser werden zu wollen, fördern.

(Teilnehmer bisher: 4 Schüler einer zweiten Klasse, 8 Schüler einer fünften Klasse, 6 Schüler einer dritten Klasse, 6 Schüler einer sechsten Klasse)

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