Touching Music

Touching Music möchte den modernen Musikunterricht ergänzend mitgestalten und dabei neue Technologien nutzen, um fernab von konventionellen Strukturen Richtungen zu erkunden. Grundlegendes Ziel ist hierbei die künstlerische Förderung der Kinder und Jugendlichen durch die gemeinsame Konzeption, Produktion und Ausführung selbst komponierter Musik. Das Erlernen des Umgangs mit Sounds in einer neuen Form, die auch den kritisch kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung durch Aufnahmen, Integration und Bearbeitung von Alltagsklängen einschließt.

Am Anfang steht die künstlerische virtuelle Identität

Wir sprechen von virtuellen Identitäten, wenn es zum Beispiel um selbst komponierte Musik auf Soundcloud geht.

Einige kennen die Begriffe Avatar und Künstlername vielleicht aus dem ein oder anderen Computerspiel oder aus anderen virtuellen, computerbasierten Umgebungen. Auch in E-Mail Adressen oder Facebook-Profilen gibt es reichlich künstliche Namen, Bilder und andere Identitäten. Hallo Internet.

Virtuelle Identitäten und Wege dahin

Anonym und vom Alltag abgeschottet stehen hierbei insbesondere künstlerische Aspekte im Vordergrund der Betrachtung, was dem Schaffensprozess kreativen Spielraum gibt. Letztlich ein Gesicht.

Im Unterschied schlüpfen unsere Schüler_innen nicht einfach in beliebige Einzelrollen mit Maske, sondern in Rollen kleiner realer Künstler, die unsere Welt heute und hier durch musikalische Neuschöpfungen bereichern. Soziale Ängste und Hemmungen lassen sich über virtuelle Identitäten schneller abbauen, was Kreativität hervorruft und auch fördert. Aber wie erstellen denn nun eigentlich die Kinder ihre Profilbilder (Avatare) und vor allem welchen Kriterien folgen sie in der Regel dabei selbst?

Avatare basteln mit Super Mii

Avatare basteln mit Super Mii

Diese Frage scheint uns einerseits zu kompliziert, andererseits steckt man einfach in den wenigsten Fällen drin. Wir interpretieren hin und wieder, ab und zu fragen wir auch mal nach, wenn etwas besonders spannend, ulkig oder originell erscheint, aber ein bisschen Fantasie gehört auch dazu. Aus der Beobachtung heraus lässt sich dementsprechend nur erahnen, welche persönlichen Eigenschaften über Darstellungsoptionen im Einzelnen gewählt bzw. festgehalten wurden. Viele Ansätze sind vermutlich auf persönliche Erlebnisse, Erinnerungen und Emotionen zurückzuführen. Kommt also ein kleiner Künstler auf die Idee, sich den Künstlernamen CR7 zu geben, lässt sich durchaus erahnen, dass sich hier was um Fussball dreht, da ja bekannt ist, dass der Fussballspieler Cristiano Ronaldo die Abkürzung CR7 trägt. Ob das Kind nun selber auch Fussball spielt oder lediglich Fan ist, wissen wir nicht. Es spielt hier auch keine Rolle, weil wir hier in erster Linie probieren, Musik zu machen mit Tablets. Künstlernamen wie Zamika, Tamika oder Bibi, Hanni und Nanni geben zwar Hinweise auf die Assoziation zu Vorbildern aus dem Alltag, jedoch konzentrieren sich die meisten unserer Schüler_innen dann doch lieber auf sich selbst, wenn es um die grafische Darstellung des eigenen Profilgesichts geht. Mindestens eine ganz persönliche Eigenschaft wird eben dann doch irgendwo untergebracht.

Aus der Rolle des Lehrers heraus, weisen wir die Schüler_innen stets darauf hin, nicht einfach blind irgendwelche Vorbilder namentlich zu kopieren. Wir probieren dann oft gemeinsam Abwandlungen zu finden. Auch werfen wir mit anderen Schreibweisen für Künstlernamen um uns und schauen dann, ob daraus Inspiration, neue Ideen entwickelt werden können.

Die Sound Macht Schule Identität

Die Sound Macht Schule Identität setzt sich zusammen aus einem selbst konzipierten Profilbild und dem Künstlernamen. Einheitlich nutzen wir für die Erstellung des Profilbildes im Rahmen des Projektes Sound Macht Schule die App SuperMii. Niedliche Comic-Avatare lassen sich hiermit individuell und problemlos selbsterklärend von den Schüler_innen kreieren. Die App ist kostenlos und sowohl bei Apple (iOS) im App-Store erhältlich als auch bei Google (Android) im Google Play Store. Anwendung finden Avatar und Künstlername, wenn es um die online Präsentation von selbst komponierter Musik zum Beispiel auf Soundcloud geht:

Auch die Kinder aus unserer ersten Willkommens-Klasse bastelten sich bereits problemlos Künstler-Avatare mit SuperMii und überlegten sich dabei einen Künstlernamen – oder auch nicht – nein, nicht jeder hatte in dem Fall verstanden, was das mit dem Künstlernamen auf sich hat oder was überhaupt mit dem Wort Künstlername gemeint ist. Um ehrlich zu sein hat im Prinzip niemand aus der Willkommensklasse so wirklich den Sinn verstanden oder den Begriff jemals zuvor gehört. Versuche, hier logische Brücken zu bauen, endeten im Nichts. Während uns an der Stelle eindeutig klar war, dass es jetzt wenig Sinn macht, den Gedanken eines Künstlernamens weiter zu verfolgen, kam die Lehrerin, die uns begleitet und die Klasse betreut spontan auf die Idee, einfache deutsche Wörter wie Ball, Pink, Blume etc. zu nehmen – als Option, weil diese Wörter ja gerade erst bei ihr gelernt wurden – als Anreiz, um dann halt später noch mal darauf zurückzukommen. Super Idee. So funktionierte das natürlich auch.

Vielleicht lässt sich hier noch kurz anmerken, dass es manchmal besser ist im ersten Schritt mit den Kindern Musik zu produzieren, im zweiten Schritt auf Künstlernamen und Avatare einzugehen, was aber wiederum zu dem Problem führen kann, dass ein mit der App Figure produzierter erster Loop nicht gleich eigenhändig unter dem Künstlernamen gespeichert werden kann von dem Kind selber. Auch nicht unter dem eigenen Künstler-Avatar, weil dies ja dann erst noch erstellt wird. Viele Wege führen zum Ziel. Ich persönlich würde eher dazu raten, als erstes SuperMii – Avatare anzulegen, dabei schon mal das mit den Künstlernamen anzukurbeln, um dann später darauf zurückkommen, wenn es darum geht, den eigenen Figure-Song mit Avatarbildchen zu speichern.